Die zunehmende Ausbreitung des Wolfes sorgt für immer mehr Konfliktpotential in der Tierhaltung. Durch die jahrzehntelange Abwesenheit müssen Halter aber auch Tiere erst wieder den Umgang mit diesem Raubtier lernen.
Der Wolf ist ein extrem intelligenter und anpassungsfähiger Jäger, für den frei weidende Tiere eine leichte Beute und im wahrsten Sinne ein gefundenes Fressen darstellen. Grundsätzlich suchen sich Wölfe die für sie am leichtesten zu erreichende Beute aus. Im Wald sind dies meiste Wildtiere. Auf Weiden aber auch Schafe, Ziegen, Fohlen und Kälber. Von wehrhaften Großtieren wie Rindern oder Pferden schreckt der Wolf i. d. R. zurück.
Für eine sichere Weidehaltung gilt deshalb folgendes:
Ein effektiver, funktionsfähiger Herdenschutz ist unerlässlich!
Für die Einzäunung von Schafen und Ziegen kommen 2 Varianten in Frage
Variante 1: Elektrozaunnetze
Elektrozaunnetze sind bei Haltung von Schafen und Ziegen besonders gut geeignet, da mit diesen eine besonders hohe Mobilität gewährleistet wird. Außerdem ist der Auf- und Abbau besonders einfach.
Für Netzte gibt es einige Grundanforderungen die beachtet werden sollten:
- Die Netzhöhe sollte mind. 108 cm betragen (besser 122 cm)
- Die gesamte Zaunlänge soll nicht länger als 2.000 m (40 Netze) sein
- Der Netzwiderstand sollte 0,25 Ohm nicht übersteigen
- Netze müssen gut gespannt und ggf. mit Bodenankern am Boden fixiert werden
Weitere Tipps:
- Netzte die die Farbe Blau enthalten wirken abschreckend gegenüber Wild
- Ein Herdenschutzband, das am Netzpfahl befestigt wird, dient zusätzlich zur optischen und akustischen Abschreckung
- Im Bereich der Ecken empfiehlt sicher der Einsatz von stabilen Unterstützungspfählen
- In unebenen bzw. steilen Geländen empfiehlt sich der Einsatz von Netzen mit Kunststoff-Vertikalstreben, welche das durchhängen deutlich reduzieren (z. B. Schafnetz Titan Premium+)
- Da Netze aufgrund der Bauart besonders leicht den Strom in den Boden ableiten können, sollte der Bereich der Netzte regelmäßig ausgemäht werden. (Die Netze können hierzu ganz einfach um- bzw. weitergesteckt werden)
Unsere Netzempfehlungen:
Variante 2: Permanenter Weidezaun
Diese Art des Herdenschutzes ist besonders bei fixen Zaunanlagen geeignet. Ein Aufbau ist hier deutlich zeitintensiver als bei Weidenetzen. Die Zaunart eignet sich auch nicht, wenn eine hohe Mobilität gewahrt bleiben soll.
Hier gilt es folgendes zu beachten:
- Die Zaunhöhe sollte 120 cm betragen
- Der Abstand zwischen den einzelnen Leitermaterial-Reihen soll im unteren Bereich max. 20 cm betragen. (die Empfehlungen lautet: 20, 40, 60, 90, 120 cm)
- Besonders wichtig ist hier ein hochwertiges Leitermaterial mit einem Winderstand <0,5 Ohm/m. Es empfiehlt sich als oberstes Leitermaterial zwecks der Sichtbarkein ein Band mit 10 oder 20 mm Breite zu nehmen. Die unteren Leiterreihen werden mit Litzen oder Seilen ausgeführt
Unsere Empfehlungen für Leitermaterial:
Blaue Bänder und Litzen sind besonders gut sichtbar und wirken abschreckend gegenüber Wild
Zaunpfähle
Hier kann je nach Wunsch und Bodenbeschaffenheit zwischen Holz-, Kunststoff- der Metallpfählen gewählt werden.
Das benötigte weitere Zubehör richtet sich dann nach der Wahl der Pfähle
Weidezaungeräte
Ein Wolfsabwehrzaun benötig für einen effektiven Schutz ein besonders leistungsfähiges Weidezaungerät. Die Mindest-Hütespannung sollte über 3.500 Volt und die Ausgangsleistung (Schlag- bzw. Ladeenergie) bei mind. 3 Joule liegen.
Grundsätzlich gibt es verschiedene Arten von Weidezaungeräten
Netzgeräte
Netzgeräte werden an der 230 Volt Steckdose betrieben. Wenn ein Stromanschluss vorhanden ist, sind Netzgeräte immer zu bevorzugen.
Unsere Empfehlung
Batteriegeräte
Batteriegeräte können wir der Name schon sagt mit 12 Volt Batterien betrieben werden. Als Batterien sollten hier immer AGM-Vließbatterien genutzt werden, die speziell auf die kurzen Lade- und Entladezyklen beim Einsatz am Weidezaun angepasst sind.
Hier muss unbedingt immer der Ladezustand der Batterie überwacht und diese ggf. geladen werden
Unsere Empfehlung
Solargeräte
Bei Solargeräten handelt es sich um 12 Volt Geräte. Wie der Name schon sagt, wird hier die Batterie des Gerätes mithilfe des PV-Moduls geladen. Somit kann hier ein komplett autarker Betrieb erfolgen. Diese Geräte sind besonders für den mobilen Einsatz geeignet
Unsere Empfehlung
Achtung: Bei all unseren Geräten ist jeweils die maximale Anzahl von Netzen bzw. die maximal mögliche Zaunlänge angegeben. Darauf ist unbedingt zu achten!
Weitere wichtige Hinweise
Zaunüberwachung
Ein Weidezaun bzw. die Weidezaungeräte sollten zur Sicherheit regelmäßig (am besten mehrmals wöchentlich) geprüft werden. Nur wenn am Weidezaun dauerhaft ausreichend Spannung anliegt werden Weidetiere, Wild und Raubtiere effektiv vom Zaun ferngehalten!
Die Zaunprüfung wird am effektivsten mit einem Voltmeter ausgeführt
Möglich ist zusätzlich auch eine digitale Überwachung mittels Smart-Phone
Die regelmäßige Zaunprüfung sollte idealerweise (z. B. in einem Hütebuch) dokumentiert werden!
Herdenüberwachung
Die Bewegung der Tierherden kann in entlegenen Gebieten und auf Almen zusätzlich auch mittels GPS-Ortungsgeräten überwacht werden
Erdung
Grundsätzlich gilt: Ein Weidezaun ist nur so gut wie seine Erdung!
Bitte hierzu unseren Ratgeber beachten
Hinweisschilder
Elektrifizierte Weidezaunanlagen müssen mit entsprechenden Hinweis- bzw. Warnschilder gekennzeichnet sein. Diese müssen an zugänglichen Stellen zumindest im Abstand von 100 Metern gut sichtbar am Zaun oder den Zaunpfählen angebracht sein
Förderung
Wolfssichere Weidezaunanlagen sind zumeist förderfähig. Die Höhe der Förderung bzw. die Mindestanforderungen und Kriterien können allerdings von Bundesland zu Bundesland variieren. Hier muss entsprechend bei der zuständigen Stelle im jeweiligen Bundesland angefragt werden!
Für ein individuelles Angebot kann auch gerne die Weidezaun-Checkliste aus unserem Weidekatalog genutzt werden
